Vom Arbeitgeber finanzierte Mitgliedschaft in Fitnesscenter: Zufluss direkt für gesamten Zeitraum oder monatlich?

Datum: 13.06.2018

Mit der Frage, ob bei einer vom Arbeitgeber finanzierten Mitgliedschaft im Fitnessstudio für ein Jahr der geldwerte Vorteil direkt für den gesamten Zeitpunkt zufließt oder monatlich, beschäftigt sich der Steuerberaterverband Niedersachsen Sachsen-Anhalt.

Wird dem Mitarbeiter zum Besuch eines Fitnesscenters ein Mitgliedsausweis durch den Arbeitgeber ausgehändigt, der zur Nutzung der teilnehmenden Einrichtungen für den Zeitraum eines Jahres berechtigt, fließe dem Arbeitnehmer nach bisheriger Verwaltungsauffassung ein daraus resultierender geldwerter Vorteil im Zeitpunkt der Überlassung des Mitgliedsausweises für den gesamten Zeitraum zu, führt der Steuerberaterverband aus. Hieran ändere sich nichts, wenn eine monatliche Zahlungsweise vorgesehen ist und im Fall des Zahlungsverzugs die Möglichkeit eines Trainingsausschlusses besteht, so der Verband unter Verweis auf ein Urteil des Bundesfinanzhofes vom 14.11.2012 (VI R 56/11).

Nach Auffassung der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen vom 24.11.2014 (Kurzinfo LSt 7/2014, NWB UAAAE-89322) sei zumindest bei Job-Tickets vorrangig eine Einzelvereinbarung zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber für die Bestimmung des Zuflusszeitpunkts heranzuziehen. Sofern diese eine monatliche Kündbarkeit vorsieht, solle der geldwerte Vorteil auch monatlich zufließen. Dies müsste nach Ansicht des Steuerberaterverbandes auch für die Beiträge zugunsten eines Fitnesscenters gelten.

Eine Verwaltungsanweisung sei hierzu bislang allerdings nicht veröffentlicht worden. Zur Haftungsvermeidung biete sich die Einholung einer Anrufungsauskunft an. Das Niedersächsische Finanzgericht habe die bisherige Verwaltungsauslegung mit Urteil vom
13.03.2018 (14 K 204/16, nicht rechtskräftig) abgelehnt. Danach solle der Sachbezug, der aus der vergünstigten Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter resultiert, nicht mit Aushändigung der Teilnahmebestätigung, sondern vielmehr während der Dauer ihrer Teilnahme fortlaufend monatlich zufließen. Diese auch an der Dienstwagengestellung orientierte Rechtsauslegung, bei der der geldwerte Vorteil aus der Dienstwagengestellung jeweils monatlich und nicht bereits mit Dienstwagenübergabe für den gesamten Nutzungszeitraum zu erfassen ist, begrüßt der Steuerberaterverband Niedersachsen Sachsen-Anhalt. Abzuwarten bleibe, wie im anhängigen Revisionsverfahren entschieden wird. Zur Haftungsvermeidung sollten sich Arbeitgeber aber an der bisherigen Rechtsauslegung der Finanzverwaltung orientieren, rät der Verband.

Steuerberaterverband Niedersachsen Sachsen-Anhalt, PM vom 11.06.2018