«Kamelunfall»: Halter muss gestürzter Kundin 70.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz zahlen

Datum: 13.06.2018

Eine junge Ärztin, die bei dem Sturz von einem Kamel schwere Kopfverletzungen erlitten hat, bekommt vom Inhaber des Kamelhofes 70.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz unter anderem wegen Verdienstausfalls. Dies hat das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart unter Verweis auf die Tierhalterhaftung entschieden. Das Gericht warf dem Kamelhalter unter anderem vor, dadurch sorgfaltswidrig gehandelt zu haben, dass er gleichzeitig zwei Kamele führte.

Die Klägerin hatte mit ihrer Mutter bei der beklagten Kamelfarm einen einstündigen Kamelausritt im Landkreis Sigmaringen unternommen. Dabei lief der Inhaber des Kamelhofs zwischen den beiden Kamelen und führte diese an einer Kette. Die Kamele wurden angehalten, als die Gruppe einige Hunde mit ihren Haltern passierte. Beim Weiterlaufen erschraken die Kamele aufgrund des einsetzenden Hundegebells, liefen nach vorne und vollführten an der Führungsleine eine abrupte Linkswendung. Dadurch stürzte die seinerzeit 27-jährige Klägerin und fiel aus einer Sitzhöhe von 1,87 Meter kopfüber zu Boden. Sie erlitt unter anderem schwere Kopfverletzungen sowie erhebliche Einschränkungen in ihrer Erwerbstätigkeit.

Das OLG sprach der Klägerin Schadenersatz und Schmerzensgeld zu. Es stützt seine Entscheidung auf die so genannte Tierhalterhalterhaftung gemäß § 833 Satz 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), wobei eine Exkulpationsmöglichkeit nach § 833 Satz 2 BGB nicht eröffnet sei, da es sich bei dem Kamel nicht – jedenfalls nicht in Deutschland, wo die Kamelhaltung sehr selten sei – um ein Haus- und Nutztier handle. Somit könne der Kamelführer sich nicht auf das Privileg des Haustierhalters, sich durch Nachweis pflichtgemäßen Verhaltens von der Haftung zu befreien, berufen.

Der Beklagte könne sich aber auch deshalb nicht entlasten, weil er die bei der Beaufsichtigung der Kamele erforderliche Sorgfalt nicht beobachtet habe. Vielmehr sei er gleich einem Fahrzeuglenker für die Sicherheit der Reiterin, die das Kamel nicht selbst lenkte, verantwortlich und habe nicht allein beide Kamele mit Führkette am Strick führen dürfen. So habe er nicht so gut auf die beiden Tiere einwirken und die Reiterin nicht vor Gefahren durch die Schreckreaktionen der Kamele schützen können.

Ein Mitverschulden der Klägerin etwa wegen des Nichttragens eines Helmes, von dem der Beklagte quasi abgeraten und sich dadurch insbesondere sorgfaltswidrig verhalten hatte, schloss das OLG aus. Es erhöhte daher auf die Anschlussberufung der Klägerin hin das erstinstanzlich zugesprochene Schmerzensgeld von 50.000 Euro auf 70.000 Euro und bestätigte im Wesentlichen den der verletzten Ärztin zugesprochenen Schadenersatz für den Verdienstausfall für die Monate nach dem Unfall in Höhe von rund 21.000 Euro.

Die Revision hat das OLG nicht zugelassen.

Oberlandesgericht Stuttgart, Urteil vom 07.06.2018, 13 U 194/17