Anna Schlamberger - Steuerberater

Reithallenbesuch mit Kleinkindern: Keine Haftung für Unfall nach Verursachung alltäglicher Geräusche

Datum: 16.05.2018

Das Amtsgericht (AG) Nürnberg hat die Haftung einer Zuschauerin, deren Enkel ein bestimmtes Verhalten eines Pferdes in einer Reithalle verursacht haben soll, verneint. Aus Sicht des Gerichts hatte sich bei dem Geschehen letztlich eine Tiergefahr verwirklicht. Der Ablauf sei für die Beklagte auch nicht vorhersehbar gewesen. Diese hafte daher nicht für einen Unfall, der durch ein von einem der Enkelkinder erzeugtes alltägliches Geräusch verursacht worden sein soll.

Die Beklagte besuchte zusammen mit ihren damals drei und fünf Jahre alten Enkelkindern eine Reithalle, wo sie sich im Zuschauerbereich aufhielt. Damit der dreijährige Enkel besser sehen konnte, setzte die Beklagte diesen auf die Holzbande. Der Enkel, der Turnschuhe trug, schlug mit seinen Füßen gegen die Bande, wodurch ein Poltergeräusch entstand. Die Klägerin führte ihr Pferd am Zügel durch die Halle. Dieses soll durch das von dem Enkel der Beklagten verursachte Geräusch erschrocken und nach hinten gegangen sein. Durch die plötzliche Rückwärtsbewegung des Pferdes rutschte die Hand der Klägerin in den Zügel und wurde nach hinten gerissen. Die Klägerin erlitt eine Verletzung an der Schulter. Sie erhob Klage zum AG Nürnberg und verlangte von der Beklagten ein angemessenes Schmerzensgeld von 3.000 Euro sowie Ersatz des Haushaltsführungsschadens in Höhe von rund 1.880 Euro.

Das AG Nürnberg hat die Klage abgewiesen. Dabei geht das Gericht grundsätzlich davon aus, dass sich der Vorfall so zugetragen hat, wie ihn die Klägerin schildert, verneint aber aus rechtlichen Gründen eine Haftung der Beklagten. Zwar sei das Verhalten der Beklagten ursächlich für die Verletzungen der Klägerin. Dies genüge aber nicht für eine Haftung. Es sei zusätzlich erforderlich, dass der Schaden der Beklagten auch adäquat zurechenbar sei. Nach Auffassung des AG fehlt es an dieser Voraussetzung. Die Beklagte habe sich überwiegend sozialadäquat verhalten, da der Besuch der Reithalle grundsätzlich erlaubt sei. Es sei auch nachvollziehbar, dass sie ihrem Enkel ermöglichen wollte, den Reitern zuzusehen. Sie habe dann allerdings geringfügig eine Grenze überschritten, weil die Füße des Kindes in das «Reitfeld» hineingeragt seien. Maßgeblich für die Verletzungen der Klägerin ist nach Ansicht des AG Nürnberg aber das Verhalten des Pferdes, das grundsätzlich in der Sphäre der Klägerin liegt. Für die Beklagte sei es nicht vorhersehbar und vermeidbar gewesen, dass das Pferd auf das Poltergeräusch so schreckhaft reagieren werde.

Gegen das Urteil hat die Klägerin Berufung beim Landgericht (LG) Nürnberg-Fürth eingelegt, diese aber nach einem Hinweis des Gerichts zurückgenommen. Das LG hatte ausgeführt, dass die rechtliche Würdigung des AG zutreffend sei. Die Beklagte sei auch vor Betreten der Reithalle nicht darauf hingewiesen worden, dass man sich dort geräuscharm verhalten müsse. Ein solcher Hinweis hätte unter anderem beinhalten müssen, dass Pferde auch durch alltägliche Geräusche, wie zum Beispiel das Treten eines Kleinkindes gegen die Innenseite der Absperrung, erschreckt werden könnten.

Amtsgericht Nürnberg, Urteil vom 18.07.2017, 239 C 1390/17 sowie Landgericht Nürnberg-Fürth, Hinweisbeschluss vom 16.10.2017, 16 S 5049/17