Umsätze aus Prostitution: Umstände des Einzelfalls entscheiden über Zurechnung

Datum: 11.07.2019

Für die Besteuerung von Prostitutionsumsätzen ist entscheidend, wem diese zuzurechnen sind. Das Finanzgericht (FG) Münster hat hierzu entschieden, dass es darauf ankommt, ob der Inhaber des Bordellbetriebs als Erbringer sämtlicher von Kunden erwarteten Dienstleistungen einschließlich der Verschaffung von Geschlechtsverkehr aufgetreten ist oder nur als Zimmervermieter und Gastwirt. Die Entscheidung über die Zurechnung der Prostitutionsumsätze habe dabei unter Würdigung aller Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu erfolgen.

Im zu entscheidenden Fall hatte der Kläger als Einzelunternehmer zwei Bordelle betrieben. Das FG rechnete ihm die dort erzielten Prostitutionsumsätze zu. Er sei im Rahmen seiner Werbung als Erbringer ebendieser Dienstleistungen aufgetreten. Er habe zudem mit seinen Bordellen jeweils eine organisatorische Struktur geschaffen und unterhalten, die den gewerbsmäßigen Geschlechtsverkehr der dort tätigen Prostituierten fördern sollte. Er sei damit nicht nur als Zimmervermieter aufgetreten, sondern habe als Erbringer eines vollständigen Leistungspaketes den Bordellbesuchern mit Hilfe der dort tätigen Prostituierten die Gelegenheit zum Geschlechtsverkehr verschafft.

Finanzgericht Münster, Urteil vom 28.03.2019, 5 K 956/16 U