Schlechte Kabinenluft: Flugbegleiterinnen scheitern mit Schadenersatzanspruch gegen Airline

Datum: 08.11.2018

Zwei Flugbegleiterinnen sind mit ihrem Schadenersatzbegehren wegen einer Kontamination der Kabinenluft (so genanntes fume beziehungsweise smell event) vor dem Arbeitsgericht (ArbG) Köln gescheitert. Die Klägerinnen hätten nicht nachweisen können, dass ihr Arbeitgeber in Bezug auf das «fume event»/«smell event» vorsätzlich gehandelt habe, was aber Voraussetzung für ihren Schadenersatzanspruch sei. Von daher habe nicht geklärt werden müssen, so das Gericht, ob solch ein Vorfall überhaupt Gesundheitsschäden nach sich ziehen könne und dies bei den Klägerinnen der Fall gewesen sei.

Auf einem Flug von Köln nach Berlin sollen die Klägerinnen für circa 45 Minuten einer Kabinenluftkontamination ausgesetzt gewesen sein, bei der ein chemischer Geruch festgestellt wurde. Diesen haben sie vor dem ArbG mit dem Geruch von «nassen Socken» verglichen. Die Außenluft soll bei der Durchleitung durch die Triebwerke in die Kabine (so genannte Zapfluft) verunreinigt worden sein. Ein ähnlicher Vorfall war bei dem Flugzeug bereits am Tag zuvor aufgetreten. Die Luftverunreinigung soll bei den klagenden Flugbegleiterinnen unter anderem zu Übelkeit und Schwindelgefühlen, aber auch zu andauernden neurologischen beziehungsweise kognitiven Beeinträchtigungen geführt haben, weshalb sie Schadenersatz verlangten.

Die Arbeitnehmerinnen waren mit ihrer Klage nicht erfolgreich. Das Gericht war der Ansicht, dass sie nicht gemäß § 104 Sozialgesetzbuch VII (SGB VII) nachweisen konnten, dass die Fluglinie vorsätzlich gehandelt hätte. Die Regelung des § 104 SGB VII beschränke die Haftung des Arbeitgebers im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung auf Vorsatz. Aufgrund einer technischen Überprüfung nach dem Geruchsereignis am Tag zuvor und aufgrund eines folgenden unproblematischen Fluges habe die Fluglinie nicht mit einem solchen «smell event» rechnen müssen. Ob ein Zusammenhang zwischen «fume events»/«smell events» und Gesundheitsschäden überhaupt wissenschaftlich nachweisbar wäre und ob sich ein solcher bei den Arbeitnehmerinnen realisiert hat, musste laut ArbG Köln deshalb nicht entschieden werden.

Arbeitsgericht Köln, Urteile vom 10.10.2018, 7 Ca 3099/17 und 7 Ca 3743/17