Dieter Bukowski
Steuerberatung

Lexikon Recht


Zwangsversteigerung

Zwangsversteigerung

Neben der Zwangsverwaltung und der Zwangshypothek eine Form der Zwangsvollstreckung in ein Grundstück. Das Verfahren ist im Gesetz über die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung (ZVG) geregelt. Es kann auch bei Schiffen, Schiffsbauwerken und Luftschiffen angewandt werden.

Die Zwangsversteigerung bezweckt die Befriedigung des Gläubigers durch Veräußerung von unbeweglichen Gegenständen des Schuldners. Der im Vollstreckungstitel genannte Schuldner muss also Eigentümer des Grundstücks sein. Das Gericht prüft aber nur, ob der Schuldner im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist. Der wahre, nicht eingetragene Eigentümer hat die Möglichkeit der Drittwiderspruchsklage (§ 771 ZPO).

Die Zwangsversteigerung wird vom Vollstreckungsgericht (Rechtspfleger am Amtsgericht, § 3 Nr.1i Rechtspflegergesetz) auf Antrag durch Beschluss angeordnet und gleichzeitig ein Versteigerungstermin bestimmt. Die Anordnung wird auf Ersuchen des Gerichts vom Grundbuchamt ins Grundbuch eingetragen (Zwangsversteigerungsvermerk).

Der Beschluss der Zwangsversteigerung bewirkt die Beschlagnahme des Grundstücks (§ 20 ZVG). Dies Beschlagnahme erstreckt sich grundsätzlich auf:

  • das Grundstück
  • die mit dem Grundstück verbundenen Bestandteile und Erzeugnisse (§ 93 BGB)
  • die vom Grundstück getrennten Bestandteile und Erzeugnisse, soweit sie dem Grundstückseigentümer gehören
  • das Zubehör (§§ 97, 98 BGB), soweit es dem Grundstückseigentümer gehört

Der Umfang der Beschlagnahme bestimmt den Gegenstand der Versteigerung (§ 55 ZVG) und damit das Eigentum, welches der Ersteher erwirbt.

Ist die Zwangsversteigerung angeordnet, können andere Gläubiger des Schuldners die Zwangsversteigerung nur durch Beitritt zum Verfahren betreiben (§27 ZVG).

Im Termin wird das Grundstück versteigert. Es erhält derjenige den Zuschlag für das Grundstück, der das höchste Angebot abgegeben hat. Das Gebot muss jedoch mindestens bei der Hälfte des Grundstückswertes liegen. Durch den Zuschlag wird der Ersteher - anders als bei der Versteigerung beweglicher Sachen - gleichzeitig Eigentümer des Grundstücks.

Der Versteigerungserlös wird in einem Verteilungstermin an die Gläubiger verteilt.

Das Zwangsversteigerungsverfahren endet mit der berichtigenden Eintragung ins Grundbuch.

Praxistipp:

Die Zwangsversteigerung eines Grundstücks kann auch dann erfolgen, wenn der Gläubiger nur geringfügige Forderungen gegen den Schuldner hat; allenfalls bei einer ganz geringen Restforderung kann im Interesse des Eigentümers eine Zwangsversteigerung ausgeschlossen sein.