Dieter Bukowski
Steuerberatung

Neue Arbeitskleidung: Kosten können unter Umständen absetzbar sein

Datum: 17.05.2018

Arbeitskleidung kann in Abhängigkeit vom Berufsbild als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Erforderlich dafür ist nach Angaben der Lohnsteuerhilfe Bayern e.V., dass es sich um berufstypische Kleidung handelt und diese nicht im Alltag getragen werden kann. Aber auch Alltagskleidung könne in einigen Fällen berufstypisch sein.

Uniformen, Roben und Arztkittel erkenne das Finanzamt problemlos an, so die Lohnsteuerhilfe. Denn diese würden in der Freizeit nicht getragen. Anders verhalte es sich beim weißen T-Shirt, weißen Poloshirt, weißen Socken und Schuhen von der Arzthelferin. Diese könnten in der Freizeit ebenso getragen werden und würden deswegen vom Finanzamt eher nicht anerkannt. Die Chance für eine Anerkennung ist laut Lohnsteuerhilfe größer, wenn das weiße Poloshirt oder die Socken beispielsweise anstatt in einem Geschäft für Mode in einem speziellen Fachgeschäft für Berufsbekleidung gekauft werden. Dort erhalte man üblicherweise eine Rechnung, auf der der Wortlaut «Arbeitskleidung» vermerkt ist.

Sportbekleidung werde anerkannt, wenn sie von hauptberuflichen Sportlern, Sportlehrern oder Fitnesstrainern getragen wird. Auch die Bekleidung für den Dienstsport bei Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr gehe beim Fiskus durch, sofern eine private Verwendung größtenteils ausgeschlossen wird.

Der Blaumann des Handwerkers, der Kittel im Labor, die Berufstracht des Schornsteinfegers, die Ausstattung des Metzgers sowie Jacke, Hose und Mütze des Kochs, all diese Ausgaben könnten problemlos von der Steuer abgesetzt werden, fährt die Lohnsteuerhilfe fort. Erfordere die Ausübung eines Berufs eine spezielle Schutzbekleidung, wie beispielsweise Schuhe mit Stahlkappen, so sei diese absetzbar, falls sie nicht vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird.

Normale Businesskleidung wie der Anzug mit Krawatte lasse sich hingegen nicht bei der Steuer absetzen, obwohl viele Banken von ihren Angestellten verlangten, dass sie in einem solchen Outfit zur Arbeit erscheinen. Denn ein feiner Anzug, ein Hemd und eine Krawatte könnten zu privaten Anlässen ebenso getragen werden, so die Argumentation der Finanzgerichte. Wie der Banker oder Kaufmann tatsächlich privat herumläuft, sei dabei irrelevant, so die Lohnsteuerhilfe. Was zählt sei, dass diese Kleidung theoretisch privat getragen werden kann, unabhängig davon, ob das tatsächlich der Fall sei. Das Finanzamt sei nicht willens, in jedem Einzelfall zu prüfen, ob die Berufskleidung in der Freizeit getragen wird oder nicht. In diesem Sinne gelte das auch für die Blusen und Kostüme einer Sekretärin, Büroangestellten oder Geschäftsführerin, die somit anstatt unter Werbungskosten unter die Kosten der allgemeinen Lebensführung fielen.

Das Kostüm einer Reisebegleiterin in den Farben der Fluggesellschaft könne von der Steuer wiederum schon abgesetzt werden, sofern es nicht vom Arbeitgeber kostenlos gestellt wird. Aber auch immer mehr Läden im Einzelhandel und Firmen, die direkten Kontakt zu Endverbrauchern haben, setzten auf eine einheitliche und auffallende Firmenkleidung. Das könne zum Beispiel ein Poloshirt mit dem Schriftzug der Firma sein. Hier seien die Richter in ihren Entscheidungen so verblieben, dass ein großes prominentes Firmenlogo zu einer Absetzbarkeit bei der Einkommensteuererklärung führt – immer vorausgesetzt, der Arbeitgeber habe weder die Kleidung kostenlos zur Verfügung gestellt noch einen steuerfreien Zuschuss dazu gezahlt. Ist die Kleidung in der Arbeit vorgeschrieben, so müsse sie auch nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden.

Der Büroangestellte könne seinen schwarzen Anzug nicht absetzen, ein Kellner, ein Pfarrer und ein Leichenbestatter dagegen schon. Der Orchestermusiker könne sein schwarzes Sakko und seine schwarze Hose wiederum nicht absetzen, einen schwarzen Frack aber schon. Denn der Frack gelte nicht als freizeittauglich, erläutert die Lohnsteuerhilfe. Bei einer Kellnerin werde der berufstypische schwarze Rock für die Arbeit vom Finanzamt oft anerkannt, bei einer Rezeptionistin wiederum nicht.

Zahlreiche Klagen und Gerichtsverfahren in der Vergangenheit hätten dazu geführt, dass die Rechtslage unübersichtlich ist und nicht alle Berufsbekleidungen durch Einzelfallentscheidungen abgedeckt werden. Darin sei allerdings fallweise eine Chance zu sehen, meint die Lohnsteuerhilfe. So könne es mit einer guten Begründung und fundierten Vorgehensweise zu einer Anerkennung durch die Finanzbehörde kommen. Gut gehe es immer dann, wenn die Kleidung einzig und allein im Beruf getragen werden kann. Aber eben auch Alltagskleidung könne hin und wieder berufstypisch sein und anerkannt werden.

Lohnsteuerhilfe Bayern e.V., PM vom 15.05.2018