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Lexikon Recht


Verkehrsunfall

Verkehrsunfall

Plötzliches Ereignis im Straßenverkehr, das die Tötung oder Verletzung einer Person oder einen nicht völlig belanglosen Sachschaden zur Folge hat. Auch Vorkommnisse im ruhenden Verkehr können ein Verkehrsunfall sein, soweit die Ursache im Straßenverkehr und seinen Gefahren liegt.

Negativ ausgedrückt handelt es sich nicht um einen Verkehrsunfall, wenn:

  • kein plötzliches, unabwendbares Ereignis vorliegt, also von allen Beteiligten geplant war
  • sich das Ereignis nicht im öffentlichen Straßenverkehr zugetragen hat, beispielsweise auf einem abgegrenzten Privatgrundstück ein völlig belangloser Schaden eintritt (Grenze etwa 25 Euro)

Die Definition ist im Strafrecht wichtig für alle Straftatbestände, die einen Unfall voraussetzen. So ist eine Unfallflucht nach § 142 des Strafgesetzbuches auch nur bei einem tatsächlichen Verkehrsunfall möglich.

Was jeder Unfallbeteiligte nach einem Verkehrsunfall zu tun hat, steht in § 34 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Die wichtigsten Regeln:

  • Unverzüglich anhalten!
  • Warnblinkanlage einschalten! Bei Dunkelheit sollte zusätzlich das Standlicht benutzt werden.
  • Warndreieck und, soweit vorhanden, Warnleuchte aufstellen! Dabei ist darauf zu achten, dass das Warndreieck etwa 100 Meter vor der Unfallstelle aufzustellen ist. Steht es nur wenige Meter vor der Unfallstelle, vermag es den nachfolgenden Verkehr nicht rechtzeitig vor der Gefahrenstelle zu warnen.
  • Verletzten helfen! Bei Unglücksfällen muss jeder - nicht nur die Unfallbeteiligten -, soweit dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten ist, Hilfe leisten. Unterlassene Hilfeleistung ist gemäß § 323c des Strafgesetzbuches strafbar. Die wichtigsten Verbandsmaterialen befinden sich im Verbandskasten, der laut § 35h der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) in jedem Kraftfahrzeug mitzuführen ist. Wenn nicht völlig klar ist, dass die Verletzungen ungefährlich sind, immer einen Arzt rufen.

Die genannten Pflichten treffen jeden Unfallbeteiligten. Beteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann (§ 34 Absatz 2 StVO, § 142 Absatz 5 Strafgesetzbuch). Der Begriff des Unfallbeteiligten erfasst also neben denjenigen, die zu Verursachung des Unfalls unmittelbar beigetragen haben, alle Personen, die bei dem aktuellen Unfallgeschehen anwesend waren, soweit ihr Verhalten nach den konkreten Umständen den Verdacht begründet, dass es zum Unfall mit beigetragen hat. So sind auch Beifahrer, die den Fahrer abgelenkt haben, oder Dritte, die ein Hindernis auf der Straße gebildet haben, Unfallbeteiligte.

Der Schädiger bei einem Verkehrsunfall hat dem Geschädigten alle Sach- und Gesundheitsschäden zu ersetzen, die durch einen Verkehrsunfall entstanden sind. Dazu gehören auch Schäden, die dem Geschädigten erst durch Dritte zugefügt wurden, sofern sie dem Schädiger ursächlich zugerechnet werden können. Besondere Haftungsregeln bestehen für Kraftfahrzeugführer und Kraftfahrzeughalter.

Praxistipp:

Sind Sie sich nicht ganz sicher, dass der Kratzer an einem anderen Fahrzeug von Ihnen oder möglicherweise einem vorangegangenen Rempler stammt, informieren Sie die Polizei per Telefon. Notieren Sie sich den Namen des Polizeibeamten. Sollte die Polizei nicht zu Ihnen vor Ort kommen, sollten Sie nach der erforderlichen Wartezeit eine eigene Schadensmeldung am Scheibenwischer des anderen Fahrzeugs anbringen. Nur so können Sie sicher sein, sich wirksam dem Vorwurf der Unfallflucht zu entziehen.