STEUERBERATERKANZLEI
Keller & Püschel

Schulbeginn: Diese Kosten können Eltern steuerlich geltend machen

Datum: 14.09.2017

In Deutschland hat nun überall die Schule wieder begonnen. Für Eltern bedeutet das, dass Kosten auf sie zukommen, zum Beispiel für Hefte, Schreib- und Bastelmaterialien oder neue Sportbekleidung. Einige der «Schulkosten» können steuerlich geltend gemacht werden.

Das gilt zum Beispiel für das Schuldgeld, das oftmals gezahlt werden muss, wenn das Kind eine private Schule besucht. Hiervon könnten 30 Prozent sowie die Anmeldegebühr abgesetzt werden, erklärt  Gudrun Steinbach, Vorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern e.V.. Maximal könnten so 5.000 Euro als Sonderausgaben abgezogen werden. Bei unverheirateten Eltern könnten sich beide Elternteile das Schulgeld aufteilen.

Besucht das Kind ein Internat in der EU oder einem EWR-Staat oder eine deutsche Schule im Ausland, so seien das Schulgeld und die Kosten für die Unterkunft von der Steuer absetzbar. Voraussetzungen seien, dass die Eltern Kindergeld erhalten, in Deutschland uneingeschränkt steuerpflichtig sind und der Schulbesuch in einem allgemeinen oder berufsbildenden Abschluss endet, der in Deutschland anerkannt ist. Da die Kosten für die Verpflegung nicht zu den Sonderausgaben gehören, sei es aber wichtig, dass die Schule auf der Rechnung die einzelnen Posten getrennt ausweist, rät Steinbach.

Wird ein Schulwechsel aus therapeutischen Gründen, wie zum Beispiel bei einer Hochbegabung oder verhaltensauffälligen Kindern vom Sozialdienst der Schule oder Arzt empfohlen, so ist das Schulgeld laut Lohnsteuerhilfe nicht als Sonderausgabe, sondern bei den außergewöhnlichen Belastungen ansetzbar. Eine Kostendeckelung nach oben gebe es in diesem Fall nicht, jedoch müsse erst einmal die zumutbare Belastungsgrenze überschritten werden.

Schulbücher, Materialkosten und Sportbekleidung könnten bei der Steuererklärung nicht angesetzt werden. Diese Kosten seien bereits mit dem Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibetrag bereits abgegolten.

Eltern, die eine außerschulische Betreuung ihres Kindes in Anspruch nehmen, könnten die dafür aufgewendeten Kosten bis zum 14. Lebensjahr des Kindes und bis zu 6.000 Euro geltend, fährt die Lohnsteuerhilfe fort. Von den Aufwendungen würden zwei Drittel, also maximal 4.000 Euro, berücksichtigt. Ob die Eltern berufstätig sind oder nicht, spiele dafür keine Rolle. Selbst bei den Kosten für ehrenamtliche Aufsichtspersonen wie Oma, Opa oder Tante kann laut Lohnsteuerhilfe gespart werden. Denn auch die Fahrtkosten zur Verwandtschaft könnten mit 30 Cent pro Kilometer angesetzt werden, sofern ein Betreuungsvertrag vorliegt und die Zahlungen per Überweisung nachweisbar sind. Auch hier seien allerdings Verpflegungskosten für das Kind ausgenommen, da diese unabhängig von der Art der Betreuung immer anfallen.

Wird ein Kindermädchen oder Au-Pair im Haushalt angestellt, so sei der steuerliche Kostenabzug nach Angaben der Lohnsteuerhilfe weitreichender. Als Kinderbetreuungskosten seien auch anfallende Ausgaben für die Anreise, Kost, Logis, Versicherung, Taschengeld, Sprachkurs und Vermittlungsgebühr absetzbar. Bei den Sonderausgaben werde die Hälfte der Aufwendungen berücksichtigt. Die andere Hälfte könne als haushaltsnahe Dienstleistung mit bis zu 20 Prozent, maximal aber bis zu 4.000 Euro, direkt von der Steuerlast abgezogen werden, sofern das Au-Pair im Haushalt Aufgaben übernimmt.

Oftmals würden nachmittags Musikunterricht oder sportliche Aktivitäten für Kinder gebucht. Für die Eltern seien ihre Kinder in dieser Zeit auswärts betreut. Dennoch sehe der Gesetzgeber Ballett, Reitunterricht oder die Betätigung in einem Sportverein nicht erstrangig als Kinderbetreuung. Hier gehe es um die Vermittlung besonderer Fähigkeiten. Daher seien die Gebühren für den Musikunterricht, den Sportverein oder einen Sprachkurs nicht als Betreuungskosten absetzbar.

Auch die Kosten für Nachhilfeunterricht seien allgemein nicht absetzbar – mit einer Ausnahme, so Gudrun Steinbach, nämlich wenn die Eltern aus beruflichen Gründen umziehen und die Kinder ihre Schule wechseln müssen. Gelinge dann der Anschluss an den Unterricht in der neuen Schule nicht, weil beispielsweise die Klasse im Lernstoff weiter fortgeschritten ist, könne die erforderliche Nachhilfe als Werbungskosten bis zu 1.926 Euro ansetzt werden.

Lohnsteuerhilfe Bayern e.V., PM vom 11.09.2017