Dipl.-Kfm. Siegfried Brockhaus
Steuerberater

Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel: Möglichkeit steuerfreier Gehaltsextras

Datum: 11.09.2019

Gehaltserhöhungen werden in vielen Fällen durch Steuern und Sozialabgaben auf rund die Hälfte gemindert. Als Alternative böten sich steuer- und sozialabgabenfreie Gehaltsbestandteile an, wie zum Beispiel Fahrtickets für öffentliche Verkehrsmitteln, so der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V. (BVL). Seit Beginn 2019 hätten sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für viele Arbeitnehmer verbessert. Details der neuen Steuerbefreiungsvorschrift habe jetzt das Bundesfinanzministerium mit Schreiben vom 15.08.2019 erläutert.

Der Arbeitgeber könne dem Arbeitnehmer Fahrtickets steuerfrei zur Verfügung stellen. Voraussetzung sei, dass diese Leistung zusätzlich zum Lohn erbracht und nicht aus einer Gehaltsumwandlung finanziert wird. Die Höhe sei nicht länger auf die bisherige Grenze für Sachbezüge von 44 Euro pro Monat begrenzt. Der 44-Euro-Freibetrag stehe jedoch weiterhin für andere Sachbezüge wie Warengutscheine zur Verfügung.

Die Steuerfreistellung kann laut BVL für alle Angebote des öffentlichen Personenverkehrs genutzt werden. Nicht begünstigt seien lediglich Fahrpreise für Charterbusse, beispielsweise für spezielle Ausflugs-fahrten, für Flugreisen und für die individuelle Nutzung von Taxis.

Tickets im Personenfernverkehr seien nur dann steuerfrei, wenn sie ausschließlich für die Fahrtstrecke zur ersten Tätigkeitsstätte, zum so genannten Sammelpunkt, für Familienheimfahrten oder bei Auswärtstätigkeiten gelten. Diese Einschränkung betreffe jedoch nur Tickets für Fernzüge wie den ICE, IC, EC und Fernbusse.

"Die übrigen Tickets im Personennahverkehr bleiben auch dann steuerfrei, wenn sie zusätzlich oder sogar ausschließlich privat genutzt werden können", hebt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des BVL hervor. Der Arbeitgeber könne also Monats- oder Jahrestickets für den Regionalverkehr ohne Abgabenbelastung zur Verfügung stellen. Dies gelte selbst dann, wenn die Tickets übertragbar sind oder für Mitfahrer gelten.

"Der geldwerte Vorteil bleibt zwar steuerfrei, für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte wird aber auf die Entfernungspauschale angerechnet", so Rauhöft. Das gelte auch, wenn im Einzelfall das Fahrticket für diese Fahrten gar nicht verwendet werden kann. Wird das Ticket voraussichtlich wenig genutzt, sollten Arbeitnehmer prüfen, ob sie besser auf den zusätzlichen Lohnbonus verzichten sollten, um den Steuervorteil der Entfernungspauschale nicht zu mindern.

Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V., PM vom 04.09.2019