Dipl.-Kfm. Siegfried Brockhaus
Steuerberater

Ausgaben für Berufsausbildung: Können als Werbungskosten anerkannt werden

Datum: 11.09.2019

Auch eine Berufsausbildung ist mit Kosten verbunden, zum Beispiel für Arbeitsmittel, Fachbücher, Fahrten und Verpflegung und Prüfungsgebühren. Auszubildende können ihre Aufwendungen im Rahmen der Einkommensteuererklärung einreichen und gezahlte Steuern zurückholen. Hierauf weist die Lohnsteuerhilfe Bayern hin.

Allerdings könne nur derjenige seine Steuerlast drücken, der Steuern bezahlt. Die meisten Ausbildungsvergütungen lägen jedoch unter dem Tarifvertrag und Mindestlohn und damit unter dem jährlichen Freibetrag von 9.168 Euro im Jahr 2019. Sie blieben somit unbesteuert. Die Möglichkeit eines sofortigen Abzugs sei in diesem Fall nicht gegeben.

Ob Steuern an den Staat abgeführt wurden, lasse sich der Jahreslohnsteuerbescheinigung zum Ende eines jeden Jahres entnehmen. Sind bei der Lohnsteuer, dem Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls bei der Kirchensteuer Beträge eingetragen, unterliege das Auszubildendenentgelt der Besteuerung. Vom Lohn abgezogene Steuern könnten unter Umständen teilweise oder ganz durch Ausgaben im Zusammenhang mit der Berufsausbildung zurückgeholt werden.

Alles, was für den zukünftigen Beruf erforderlich ist, darf laut Lohnsteuerhilfe in der Einkommensteuererklärung gegengerechnet werden. Bei den Fahrtkosten greife in den meisten Fällen die Entfernungspauschale. Sie könne für die erste Tätigkeitsstätte geltend gemacht werden. Ist es der Ausbildungsbetrieb, so fielen für jeden Tag, an dem dieser aufgesucht wurde, 30 Cent je Kilometer einfacher Wegstrecke an. Ob Fahrrad, Fahrgemeinschaft, eigenes Auto oder öffentliche Verkehrsmittel, das km-Geld für die erste Tätigkeitsstätte gelte.

Die selteneren Fahrten zur Berufsschule könnten als Dienstreise geltend gemacht werden. Für die Dienstreise könnten nur die tatsächlich entstandenen Aufwendungen angesetzt werden, wie zum Beispiel die Ticketkosten für S-Bahn, Zug oder Bus. Wird die Berufsschule mit dem Auto aufgesucht, könne der Fahrer 30 Cent je Kilometer für die Hin- und die Rückfahrt steuermindernd geltend machen.

Übersteigt die Aufenthaltsdauer in der Berufsschule acht Stunden pro Tag, könne eine Verpflegungspauschale in Höhe von zwölf Euro pro Tag geltend gemacht werden. Erfolgt die Berufsausbildung zum Beispiel im Block und die Abwesenheit von zu Hause beträgt mehr als 24 Stunden, kann laut Lohnsteuerhilfe die erhöhte Verpflegungspauschale von 24 Euro pro Tag genutzt werden. Liegt die Berufsschule von zu Hause zu weit entfernt, könnten die tatsächlichen Übernachtungskosten angesetzt werden.

Ist ein Umzug aufgrund der Berufsausbildung notwendig, könne die Umzugskostenpauschale in Höhe von 811 Euro für Ledige beantragt werden. Da es sich um einen Pauschbetrag handelt, seien keine Nachweise für Ausgaben notwendig. Sind die realen Aufwendungen höher, müssten Rechnungen, Quittungen und Kontoauszüge gesammelt werden, um den Mehrbetrag gegenüber der Pauschale geltend zu machen.

Für die Bleibe am Ausbildungsort könnten unter bestimmten Voraussetzungen Miete und Nebenkosten als doppelter Haushalt abgesetzt werden. Dafür sei es notwendig, so die Lohnsteuerhilfe, dass der Lebensmittelpunkt zum Beispiel bei den Eltern bestehen bleibt und regelmäßige Fahrten nach Hause erfolgen. Die Nutzung des Lebensmittelpunkts müsse gegenüber dem Finanzamt nachgewiesen werden. Weiterhin müssten Kosten für beide Wohnsitze anfallen, die der Auszubildende selbst trägt. Das kostenlose Zimmer im Elternhaus bringe steuerlich betrachtet keinen Vorteil.

Fallen erstmals Beiträge für die eigene Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung an, dürften diese Beträge wie viele weitere Versicherungsbeiträge in der Steuererklärung angeführt werden. Ist während der Ausbildungszeit ein privater Internetanschluss oder eine telefonische Erreichbarkeit von Berufs wegen notwendig, könnten dafür 20 Prozent der Aufwendungen, maximal 20 Euro monatlich, angesetzt werden. Auch Kontoführungsgebühren bis zu einer Höhe von 16 Euro jährlich würden gewährt. Geht die Ausbildungszeit zu Ende und es müssen Bewerbungen geschrieben und verschickt werden, könnten die Aufwendungen hierfür ebenfalls steuermindernd geltend gemacht werden.

In Bezug auf vorgezogene Werbungskosten bei der Erstausbildung stehe noch eine höchstrichterliche Entscheidung aus. Die Lohnsteuerhilfe empfiehlt, auch wenn keine Steuern entrichtet wurden und die Aufwendungen im Rahmen der Ausbildung höher waren als die Einnahmen, dennoch eine freiwillige Einkommensteuererklärung einzureichen und alle Kosten, die im Zusammenhang mit der Ausbildung stehen, als Werbungskosten anzugeben. Falle das Urteil des Bundesverfassungsgerichts positiv aus, könnten die gesammelten Verluste aus den ersten Ausbildungsjahren mit späteren Steuern verrechnet werden. Werde nach der Ausbildung gut verdient, so werde dann die Steuerlast gedrückt.

Lohnsteuerhilfe Bayern e.V., PM vom 09.09.2019